Microsoft Word ist kein universelles Textformat
Übersetzt und veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Randy Wood >> Originalbericht englisch
Das Problem
Für die meisten Computeranwender ist Microsoft Word das Textverarbeitungsprogramm schlechthin. In den 90er Jahren waren viele Rechner mit einer Version des Betriesbssystems Windows ausgestattet, welche Microsoft Word gleich mitlieferte. So hat sich das Word-Format sozusagen als universelles Textformat in den Köpfen festgesetzt. Auch ich benutzte es so lange, bis ich mich eines Tages für ein anderes Textverarbeitungsprogramm entschied, das mir besser gefiel.
Es sind heute sehr viele verschiedene Textverarbeitungsprogramme im Umlauf -- die einen besser, die anderen schlechter. Leider vergessen Microsoft-Word-Anwender gern, dass nicht alle dieselbe Schreibsoftware benutzen. So schicken sie emsig Word-Dokumente als E-Mail-Anhang um die Welt. Der Empfänger muss dann von Pontius zu Pilatus rennen, bis er diese Dateien öffnen kann -- oder noch schlimmer, er kann sie gar nicht lesen.
Das Dokumentformat von Microsoft Word ist kein legitimer, allgemeingültiger Standard, weil es nicht "offen" ist. Anderen Softwareherstellern ist die Entschlüsselung des Formates verwehrt, so dass ihre Programme Microsoft-Word-Dokumente nicht vollständig lesen und speichern können. Durch diese List vermochte Microsoft mit Erfolg seine Anwender an seine Software zu binden. In der Tat ändert Microsoft regelmässig sein Format, um Kompatibilitätsprobleme zu erzeugen. Damit der Computeranwender diese lösen kann, muss er immer wieder die neuste Version ihrer Software kaufen.
Computerhersteller sind derweil bestrebt, Kosten zu sparen, indem sie andere Softwarepakete wie WordPerfect oder auch Star Office anbieten. Möglicherweise lässt sich so das Gleichgewicht im ökosystem der Textverarbeitung wieder herstellen und mit mehr Auswahl beleben. Vielleicht dreht der Wind. Der Ruf nach einem offenen Dateiformat wird lauter. Das neu entwickelte OpenDocument-Format wird sich vielleicht durchsetzen.
Vorläufig gilt: Microsoft-Word-Anwender, ihr seid nicht die einzigen!
Die Lösung
Denken Sie daran, allgemeingültige Dateiformate zu benutzen, wenn Sie an andere Computeranwender Dokumente verschicken. Nichts leichter als das! Klicken Sie im Menü "Datei" einfach auf "Speichern unter..." und wählen Sie ein Dateiformat, von dem Sie wissen, dass Ihr Empfänger es lesen kann. Wenn Sie nicht 100% sicher sind, dass die Person am anderen Ende Microsoft Word benutzt, können Sie eines der folgenden Formate auswählen:
Rich Text Format (RTF) ist die beste Lösung für Dokumente, die vor allem formatierten Text enthalten, den der Empfänger ändern können soll (Achtung: je nach Programm werden v.a. Tabellen verfälscht; Microsoft Word und Ted sind hier vorbildlich: sie halten sich genau an den Standard, vorsicht jedoch bei Abiword!)
Nur-Text-Format (TXT) ist noch besser, wenn die Formatierung (Schriftgrösse, Schriftart, Farben, Tabellen etc.) unwichtig sind, denn dieses Format ist universell lesbar, unabhängig vom Textverarbeitungsprogramm oder Betriebssystem.
PDF-Format ist die beste Wahl, wenn Sie eine Datei im endgültigen Format versenden wollen, die der Empfänger nur lesen, aber nicht verändern soll. Das PDF-Format ist das geeignetste universelle Dateiformat für die Praxis. Es kann praktisch auf jedem Rechner der Welt gelesen werden, auf dem der Adobe Acrobat Reader (oder andere PDF-Anzeiger wie xpdf oder gsview) installiert ist. Mit OpenOffice.org können Sie PDF-Dateien erstellen, ohne den teuren Acrobat Distiller kaufen zu müssen. OpenOffice ist auch sonst ein sehr empfehlenswertes Programm.
XML bzw. OpenDocument heißt das Format der Zukunft. Es wird helfen, viele solcher Probleme abzubauen. Die meisten Textverarbeitungsprogramme unterstützen XML heute zwar noch nicht, aber OpenOffice.org ist hier Vorreiter. Andere Hersteller sind ebenfalls im Anmarsch und stellen Import-/Export-Filter für OpenDocument zur Verfügung (z.B. Abiword). Microsoft besteht vorläufig auf einem eigenen XML-Format (siehe Diskussion). Doch wenn einmal alle Textverarbeitungsprogramme den vereinbarten Standard befolgen, wird der Austausch von Textdateien nicht mehr so problematisch sein. Eine praktische Vorstellung des OpenDocument-Formats sowie der aktuellen brisanten Diskussion (Stichworte: Massachussets, Microsoft) finden Sie bei Diskussion über OpenDocument bei Wikipedia.
Denken Sie jedenfalls vorläufig daran, Ihre Dokmente in einem der oben vorgestellten Formate zu versenden. Leute, die WordPerfect, Macintosh Appleworks, StarOffice, OpenOffice.org, AbiWord und weitere, nicht so bekannte Textverarbeitungsprogramme verwenden, werden Ihnen dafür dankbar sein und, nebenbei gesagt, auch Ihre Dokumente richtig lesen können!
Und hier einige Links zu alternativen Textverarbeitungsprogrammen:
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Ted: verlässlicher und sehr empfehlenswerter RTF-Editor für Linux, in den gängigen Distributionen enthalten. |
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Abiword: schlanker M$-Word-Ersatz, erhältlich für Windows, Linux, BeOS und MacOSX (Standard bei Linux Gnome) |
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OpenOffice.org: das freie Gegenstück zu Microsoft Office erhältlich für Windows, Linux/Unix und MacOSX |
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WordPerfect: erhältlich für Windows |
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StarOffice: für Windows und Linux/Unix |
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Antiword extrahiert flugs Text aus Word-Dokumenten wandelt sie in PS oder PDF um oder stellt den Text für die Konsole oder MIME-fähige E-Mail-Programme zur Direktanzeige zur Verfügung; ideal für Mutt oder TkRat, wobei folgender Eintrag in ~/.mailcap erforderlich ist, damit der Text direkt im Mail-Programm angezeigt wird: application/msword; antiword %s ; copiousoutput . Der Nutzer kann so einen Word-Anhang schnell betrachten, ohne ein separates Programm öffnen zu müssen oder Gefahr zu laufen, seinen Rechner mit Microsoft-Viren zu verseuchen (alle Betriebssysteme, putzt aber keine "Fenster"!)- |